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16. 05.

Islam und säkularer Staat - ein Widerspruch?

Schluss mit der Vorherrschaft des konservativen Islams in Deutschland - Vortrag von Dr. Lale Akgün in Stuttgart

Dr. Lale Akgün, die es seit langem stört, dass das Bild des Islams in Deutschland von Kopftuch tragenden Frauen und jungen Männern in salafistischem Outfit bestimmt wird, meint ja. Von Stereotypen profitiert nicht nur die fremdenfeindliche Rechte, sondern auch der politische Islam. Als säkulare Muslimin will Akgün auch andere darin bestärken, sich vom konservativen Gebots-Islam der Funktionäre zu emanzipieren.

Sie beschreibt die Gesichter des politischen Islams und Mechanismen, die dazu führen, dass orthodoxe Strömungen ihren Einfluss ausweiten. Sie reflektiert gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die einen liberalen Islam begünstigen würden, und fordert einen säkularen Staat, in dem alle Religionen ihren Platz haben und gleichberechtigt behandelt werden, aber nicht das öffentliche Leben bestimmen können.

Zur Referentin
Dr. Lale Akgün wurde 1953 in Istanbul geboren. Nach dem Studium der Medizin und Psychologie in Marburg promovierte sie 1987 an der Universität Köln im Fachbereich Psychologie und arbeitete anschließend in der Familienberatung. Von 1997 bis 2002 leitete sie das dem nordrhein-westfälischen Sozialministerium unterstellte Landeszentrum für Zuwanderung (LzZ). Von 2002 bis 2009 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD). Anschließend arbeitete sie in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit November 2017 ist sie Senior Researcher an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Im November 2018 hat sie gemeinsam mit Cem Özdemir, Seyran Ateş, Hamed Abdel-Samad, Ahmad Mansour, Necla Kelek, Bassam Tibi, Ali Ertan Toprak, Ralph Ghadban und Susanne Schröter die Initiative säkularer Islam gegründet, die für eine weitgehende Trennung von Religion und Politik eintritt, sich für einen zeitgemäßen, aufgeklärten, demokratiefähigen Islam einsetzt, der selbstkritisch und offen für Kritik von außen ist und der die Anerkennung der Islamverbände als Körperschaften des öffentlichen Rechts aufgrund demokratischer Vorbehalte ablehnt.

Ihr neues Buch "Platz da! Hier kommen die aufgeklärten Muslime" ist im Alibri Verlag erschienen.